EU Inc.: Ein Unternehmen schaffen, statt 27 verschiedene

EU Inc.: Ein Unternehmen schaffen, statt 27 verschiedene

28.10.2026

EU Inc.: Ein Unternehmen schaffen, statt 27 verschiedene

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Eine Gruppe junger Menschen bei der Arbeit in einem modernen Büro. Geschäftsleute bei der Arbeit während einer Besprechung.

Stellen Sie sich eine Unternehmerin vor, die heute die Gründung eines Unternehmens beantragt. Sie hat eine innovative Idee, einen soliden Geschäftsplan, einen vertrauenswürdigen Investor und den Ehrgeiz, ihre Produkte europaweit zu verkaufen. Was sie von den politischen Entscheidungsträgern braucht, ist nicht noch eine Rede oder ein Dokument zum Thema Wettbewerbsfähigkeit. Sie braucht ein System, das es ihr ermöglicht, schnell durchzustarten, Kapital zu beschaffen, Mitarbeiter einzustellen und zu wachsen. Doch die Gründung ihres Unternehmens dauert mehrere Wochen, die Verwaltung ist viel zu komplex, die grenzüberschreitende Einstellung von Fachkräften scheint unmöglich, sie kann ihren Mitarbeitern kein wettbewerbsfähiges Gehalt zahlen und hat Schwierigkeiten, Risikokapital zu beschaffen. 

Ihr Problem ist nicht aus der Luft gegriffen. Nach Angaben der Europäischen Kommission gibt es in der Europäischen Union heute 27 nationale Rechtssysteme und mehr als 60 Unternehmensformen. Mehr als 80 % der Teilnehmer an der Konsultation der Kommission betrachteten diese Fragmentierung als erhebliches Hindernis für die Geschäftstätigkeit. Bezeichnenderweise haben nur vier der 50 weltweit größten Technologieunternehmen ihren Sitz in der EU, während ein Drittel der europäischen „Einhörner“ ins Ausland abgewandert ist.

Europa mangelt es nicht an Unternehmern, Ideen oder Ehrgeiz. Was Europa fehlt, ist ein unternehmerisches Umfeld, in dem aus einer erfolgreichen Idee ein erfolgreiches europäisches Unternehmen entstehen kann. Das ist das Versprechen hinter „EU Inc.“ oder dem„28. Regime“ – einem gemeinsamen Regelwerk, das es Unternehmen erleichtern und beschleunigen soll, sich zu etablieren, Investitionen anzuziehen, grenzüberschreitend tätig zu sein und ohne Hindernisse zu wachsen.

Für die EVP-Fraktion ist dies nicht einfach nur ein Gesetzentwurf. Es ist Teil eines viel größeren Ziels. Können wir endlich einen Binnenmarkt schaffen, in dem europäische Unternehmen wachsen können? Bei „EU Inc.“ geht es nicht nur darum, jemandem bei der Gründung eines neuen Unternehmens zu helfen. Es geht darum, eine europäische Unternehmensform zu schaffen, die während ihres gesamten Lebenszyklus im gesamten Binnenmarkt tätig sein und wachsen kann. 

Die Zahlen sprechen für sich. Der Binnenmarkt umfasst schätzungsweise rund 450 Millionen Menschen und 23 Millionen Unternehmen. Laut Eurobarometer sind 70 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nach wie vor nur im Inland tätig, während nur etwa ein Viertel im gesamten Binnenmarkt aktiv ist. Unterschiedliche Geschäftsbedingungen, unklare Vorschriften und Besteuerung gehören zu den am häufigsten genannten Hindernissen.

„EU Inc.“ könnte ein wichtiger Schritt sein, um dies zu ändern. Es sollte eine Unternehmensform sein, die allen offensteht, von der jedoch insbesondere Start-ups profitieren, die ein innovatives Produkt haben, das sie über europäische Grenzen hinweg vermarkten möchten, und die zu einem Scale-up heranwachsen wollen. 

Doch „EU Inc.“ ist keine neue Idee. Im Laufe der Jahre haben die Mitgliedstaaten viele Ideen und Lösungen entwickelt, um grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten zu erleichtern. Jetzt ist es an der Zeit, diese Erfahrungen zusammenzuführen, auf Bewährtem aufzubauen und sie zu einem einheitlichen europäischen Ansatz zu bündeln. 

Daher besteht die größte Herausforderung darin, ein einziges, einfaches System zu schaffen, das in der Praxis funktioniert und nicht durch die 27 nationalen Systeme behindert wird. Die Debatte und die Entscheidung darüber sollten sehr ehrgeizig sein. Etwa zwei Drittel der KMU nennen die Komplexität der Rechtsvorschriften als ihr größtes Problem. Bereiche wie Steuern, Arbeitsrecht und Insolvenzrecht werden weiterhin politische Entscheidungen und in einigen Fällen eine tiefgreifendere Harmonisierung erfordern. 

Der eigentliche Test für „EU Inc.“ sollte daher nicht darin bestehen, wie zufrieden die Mitgliedstaaten mit ihren nationalen Vorschriften sind. Es sollte vielmehr darum gehen, ob eine Unternehmerin irgendwo in Europa einen Unterschied bemerkt. Kann unsere Unternehmerin mit ihrer innovativen Idee, ihrem Geschäftsplan und ihrem Investor ihr Unternehmen heute anmelden? Kann sie grenzüberschreitend Kapital beschaffen? Kann sie in einem anderen Mitgliedstaat Mitarbeiter einstellen, ohne auf unnötige administrative Hürden zu stoßen? Kann ein Unternehmen problemlos Talente gewinnen? Kann ein europäisches Unternehmen problemlos von einem europäischen Markt in einen anderen expandieren? 

Wenn die Antwort „Ja“ lautet, wird „EU Inc.“ etwas Bedeutendes erreicht haben.

Redaktionshinweis

Mit 185 Mitgliedern aus allen EU-Mitgliedstaaten ist die EVP-Fraktion die größte Fraktion im Europäischen Parlament.

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