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Berufstätige Frauen: Nützen wir das Talent!

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Das 60. Jubiläum der Römischen Verträge in diesem Monat steht auch für 60 Jahre Europäischen Engagements für die Gleichstellung der Geschlechter. Am heutigen Weltfrauentag, ruft Viviane Reding zu kontinuierlichem Handeln auf, um das volle Potenzial einer gleichberechtigen Gesellschaft zu entfalten.

Wir haben in der EU viel erreicht. Der Grundsatz gleichen Lohns für gleiche Arbeit in den Römischen Verträgen von 1957 hat sich zu einer umfassenden Verpflichtung zur Gleichheit als einem der Grundwerte der EU entwickelt. V. Reding kommentierte: „Das ist eine Europäische Erfolgsgeschichte und ich fühle mich geehrt, dazu beigetragen haben zu dürfen. Seit ich 2012 den Gesetzesvorschlag für einen ausgewogenen Frauenanteil in Aufsichtsräten vorgelegt habe, hat sich die Anzahl der Frauen in diesen Gremien in Europa fast verdoppelt, auch wenn der Vorschlag immer noch vom Rat blockiert wird. Ich fordere die maltesische Ratspräsidentschaft dazu auf, diesen Punkt wieder entschieden auf die Tagesordnung zu setzen.“

In Anbetracht des langen Weges, der noch zurückzulegen ist, erklärte die ehemalige Kommissarin: “60 Jahre Römische Verträge bedeutet auch 60 Jahre, in denen das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen nicht überwunden wurde - ungeachtet der frühen Verpflichtung zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Wir müssen den Mut für Veränderungen aufbringen, um die vollständige Gleichstellung zu erreichen. Es kann einfach nicht sein, dass wir den Mädchen, die heute geboren werden, erzählen, dass sie noch weitere 70 Jahre auf Lohngleichheit warten müssen.“  Mit Blick auf die Zukunft fügt sie hinzu: “Die Digitalisierung der Arbeitswelt darf nicht zu einen neuen Gender-Gap führen. Im digitalen Sektor könnten Frauen bis zu 9 Mrd. € pro Jahr zum Europäischen BIP beitragen. Worauf warten wir also noch - gerade in Anbetracht des prognostizierten Mangels an 756 000 Fachkräften bis 2020 in dieser Branche - das Talent von Frauen in der Informations- und Kommunikationstechnologie zu nutzen und zu stärken?“

Reding warnte auch davor, den Fortschritt als selbstverständlich zu betrachten: „Ein amerikanischer Präsident, der trotz seiner wiederholten frauenverachtenden Kommentare gewählt wurde, ein russisches Gesetz, dass gewisse Formen häuslicher Gewalt entkriminalisiert (und damit trivialisiert) und zuletzt die frauenfeindliche Tirade eines fraktionslosen polnischen Europaabgeordneten im Plenum des Europäischen Parlaments sind nur einige Beispiele dafür, wie Fortschritt zurückgedrängt wird. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich solche Gesinnungen verbreiten und wieder Wurzeln schlagen. Wir müssen wachsam bleiben und Ungleichbehandlungen überall dort verurteilen, wo sie fortbestehen oder wieder erstarken!“

Abschließend fügt sie hinzu: „Das Ziel des Weltfrauentages sollte es sein, sich selbst obsolet zu machen. Ein Tag im Jahr voll gutgemeinter Erklärungen wird nicht ausreichen, um das zu erreichen. Wir müssen bewusst und mutig handeln - an 365 Tagen in jedem Jahr.“

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