11/12/2001Krise in der europäischen Bienenzucht ist eine Gefahr für das Gleichgewicht unseres Ökosystems! / Crisis in the European beekeeping endangers our ecological system. Astrid Lulling MEP
Die Luxemburger Europaabgeordnete Astrid Lulling legt dem Europäischen Parlament in seiner Dezemberplenartagung in Strassburg einen Bericht im Namen des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zur Durchführung einer Verordnung aus 1997 für Maßnahmen zur Verbesserung der Erzeugung und Vermarktung von Honig vor.Dieser Bericht wurde einstimmig vom Agrarausschuss des Europäischen Parlaments angenommen.
Er enthält einen regelrechten Alarmruf, um endlich die EU-Kommission zu ausreichenden Maßnahmen zu bewegen, um der Existenzbedrohung der europäischen Imkerei entgegenzuwirken.
Als Berichterstatterin hat Astrid Lulling vor dem Plenum in Straßburg folgende Rede zur Einführung in die Debatte gehalten:
"Seit 1985 gibt es aus diesem Parlament Alarmrufe, um auf die Existenzbedrohung der europäischen Imkerei hinzuweisen.
1992, 1995, 1997 haben wir hier in meist einstimmig angenommen Entschließungen konkrete, vernünftige, bezahlbare und auch juristisch haltbare Vorschläge für Direktbeihilfen gemacht, um die Europäische Bienenzucht, die sich trotz rosaroter Statistiken der Kommission in einer regelrechten Krise befindet, zu retten.
Nicht vordergründig, um für den Konsum von Qualitätshonig unserer Imker einen höheren Selbstversorgungsgrad über die derzeitigen knapp 50% zu erreichen. Oh nein! Aber um die Bestäubung von über 80.000 Kultur- und Wildpflanzen E.U.-weit zu gewährleisten.
Diese ist in der Tat bedroht durch die besorgniserregende Abnahme der Zahl der Imker - von denen die Hälfte auch noch über 60 Jahre alt sind - die in verschiedenen Regionen dramatisch ist. Es ist eigentlich sagenhaft, dass wir es, trotz unserer Geduld und Hartnäckigkeit, welche die Sprecher aller Fraktionen dieses Hauses seit 1985 an den Tag gelegt haben, nicht geschafft haben, die Kommission so zu bewegen, dass sie erkennt, dass ihre halbherzige Politik aufgrund der koffeinfreien Verordnung aus 1997 dringend zu verbessern ist, wenn wir die durch die Krise in der Bienenzucht drohende Gefahr für das Gleichgewicht des europäischen Ökosystems abwenden wollen.
Es ist unverständlich, ja ärgerlich, dass trotz ihres Berichtes über die unzufriedenstellende Durchführung der unzureichenden Maßnahmen aufgrund der halbherzigen Verordnung von 1997, die Kommission weiterhin untätig bleiben will, obwohl sie anerkennt, dass die europäische Bienenzucht mit wachsenden Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Diese absurde Verbortheit können wir nicht länger hinnehmen.
Die Kommission sollte zur Einsicht kommen. Errare humanum est, perseverare diabolicum.
Der Vertrag gibt ja die erforderlichen Grundlagen her, um sofort die von uns seit 1992 angemahnten direkten Beihilfen, wie die Bestäubungsprämie, einzuführen.
In meinem Bericht haben wir wieder konkrete, finanzierbare Vorschläge gemacht, kurz-und mittelfristige, welche ich aus Zeitgründen hier nicht darlegen kann. Aber die Kommission kann ja lesen. Wir wollen deshalb heute von ihr hören, dass sie bereit ist, sich aufgrund unserer Vorschläge, die von allen Imkern in der Gemeinschaft, von Norden bis Süden, mitgetragen werden, zu bewegen, und zwar in die richtige Richtung.
Ich bin fast stolz, dass ich es, zusammen mit den Kollegen aus dem Landwirtschafts- und dem Haushaltsausschuss, fertiggebracht habe, dass die Kredite für Programme zur Verbesserung der Erzeugung und Vermarktung von Honig für 2002 von 14 auf 16,5 Millionen erhöht werden, die einzige obligatorische Ausgabe im Agrarhaushalt, der dieses einmalige positive Schicksal für 2002 widerfährt.
Das kann aber nicht davon ablenken, dass die Bienenpolitik der Kommission weiter unterentwickelt ist.
Es bedarf lediglich ihres politischen Willens und dem des Rates, um mit einem Betrag, den die EU in weniger als 5 Stunden pro Jahr ausgibt - von den zwei Milliarden veruntreuten Geldern in EU-Haushalt nicht zu reden - die Bienenzucht in Europa, gemeinsam mit den Imkern abzusichern und zu verhindern, dass wir mittelfristig blindlings in die Mauer einer ökologischen Katastrophe rennen."
Weitere Informationen: Büro Astrid Lulling, Tel.: +33 3 88 175386










